Lesekumpel

Die Kinder des 3. Schuljahrgangs lesen den zukünftigen Schulneulingen, die im darauffolgenden Schuljahr in die Schule kommen vor. Der Vorteil daran ist, dass die Schulkinder die Kindergartenkinder noch ein weiteres Schuljahr als „Schulpaten“ begleiten können und die Vorschulkinder die Schule als Institution kennen lernen.

Jeweils zwei Schulkinder sollten möglichst zwei Kindergartenkinder als „Lesekumpel“ bekommen. Der Kindergarten informiert die entsprechende Lehrkraft im Vorfeld über die Anzahl der Kindergartenkinder und teilt diese schon in Zweiergruppen ein. Die Schulkinder ordnen sich den Kindern zu – oft gibt es schon Bekanntschaften, die dann im Projekt weitergeführt werden. Jede Gruppe sollte ungestört vorlesen können, daher sollte die Lehrkraft im Vorfeld genau überlegen, welche Räume zur Verfügung stehen und somit die Anzahl der parallel lesenden Gruppen genau überdenken. Wenn die Anzahl der Schulkinder weit über der Anzahl der Kindergartenkinder liegt, bietet es sich an, die Schulklasse zu teilen und jeweils die eine Hälfte als „Lesekumpel“ agieren zu lassen, während die andere Hälfte sich mit Freiarbeit oder anderen Arbeiten beschäftigt. (Funktioniert nur, wenn man im Team ist bzw. genug Erzieher dabei sind.) Es ist jedoch nicht unbedingt nötig, dass jede Lesekumpel-Gruppe eine Aufsicht hat.

Nachdem die Schule zu Beginn des 2. Halbjahres Kontakt zu dem Kindergarten bzw. den Kindergärten aufgenommen hat, werden mit den Erziehern Termine zum Vorlesen ausgemacht. Im Erprobungsdurchgang wurde an vier Terminen im Zweiwochenrhythmus vorgelesen. Der einzelne Termin erstreckte sich über eine Unterrichtsstunde. Die Anzahl der Termine kann jedoch je nach Gruppenstärke variieren.
Als Vorleseort bietet sich am ehesten die Schule an, da diese für die Kindergartenkinder einen besonderen Reiz darstellt und die Kinder  schon im Vorfeld vor der Einschulung mit der zukünftigen Lernumgebung bekannt gemacht werden.

Für die Schulkinder muss man zu der Stunde noch etwa eine weitere Stunde für Vor- und Nachbereitung rechnen.

Auswahl der Bücher

Es gibt mehrere Möglichkeiten:

  • Klassen- oder Schulbibliotheksbücher
  • Zusammenarbeit mit der örtlichen Bibliothek, die Bücherkisten packt
  • Bücher der Kinder

Die Lehrkraft sollte eine Vorauswahl der Bücher treffen und darauf achten, dass es sich um (Bilder)-Bücher handelt, die vom Umfang her für eine Lesekumpelstunde geeignet sind. Es macht daher Sinn, eine Bücherkiste zusammenzustellen, aus der sich dann die Schulkinder jeweils ein Buch aussuchen können.

Ablauf der Vorlesestunde

Die Kinder treffen sich gemeinsam und lernen zunächst ihre „Lesekumpel“ kennen. Man kann den Gruppen auch Nummern geben und festlegen, welche Gruppe zukünftig in welchem Raum vorliest. So ist das Zusammentreffen bei den folgenden Stunden besser strukturiert. Die Schulkinder lesen ca. 20 – 25 Minuten vor (mit Bildern betrachten, Erzählen zum Buch, …), danach können die Kinder gemeinsam zu dem Buch malen oder sich etwas erzählen oder spielen. Jede Gruppe sollte Papier und Stifte an ihrem Vorleseort haben.

Vor- und Nachbereitung für die Schulkinder

Vor dem ersten Treffen mit den Kindergartenkindern sollte jede Gruppe mindestens ein Buch in die Schule mitbringen, das sie in ihrer Kindergartenzeit gut fand und den Mitschülerinnen und Mitschülern vorstellen.
Als Vorbereitung können dafür die folgenden Arbeitsblätter dienen. Hierbei üben die Kinder sich abzusprechen und ein Buch in Abschnitte einzuteilen.

Gleichzeitig sollten die Kinder im Offenen Anfang / Wochenplan die Möglichkeit haben, das Vorlesen zu trainieren und sich mit den Büchern vertraut zu machen.
Einige Probleme können in der Partnerschaft auftreten, die die Kinder meist selbst lösen, falls nicht, haben sie ihre Lehrkraft oder Erzieherin als Ansprechpartner. Beispiele für aufgetretene Probleme:
– Das Kindergartenkind hört nicht zu
– Das Buch, das das Schulkind ausgewählt hat, ist zu anspruchsvoll für das Kindergartenkind
– Das Kindergartenkind kann sich nicht lange konzentrieren
– Das Schulkind liest zu langsam oder zu unverständlich

Für die Lösung dieser Probleme kann auch eine kurze Nachbereitung hilfreich sein, in der man mit den Schulkindern beispielsweise über das Niveau der Bücher redet oder mit den Kindergartenkindern über das Zuhören.

Nutzen für die Kindergartenkinder

  • Sie bekommen vorgelesen
  • Sie bekommen etwas vorgelesen, das einem „Kindergeschmack“ entspricht
  • Sie genießen die Atmosphäre des Vorlesens
  • Die Kinder eifern den Älteren nach (der Aspekt des jahrgangsübergreifenden Lernens), haben eine Motivation, selbst schnell lesen zu lernen
  • Ältere Kinder nehmen sich Zeit für sie
  • Sie lernen Bücher kennen
  • Kinder mit Deutsch als Zweitsprache werden in besonderer Weise sprachlich geschult (evtl. durch eine spezielle Vorauswahl passender Buchtitel)
  • Motivation, selbst nach Büchern zu suchen, die sie vorgelesen bekommen wollen
  • Bindung an das Lesen, Bindung an die Vorleser
  • Bindung an die eventuell aufnehmende Institution
  • Sicherheit bei der Einschulung, Weiterführung der Patenschaften in den Pausen oder durch Freundschaften

Nutzen für die Schulkinder

  • Neue Lesemotivation
  • Sie müssen ihre Texte, die sie vorlesen, vorbereiten, indem sie zum einen den Text / das Buch auswählen (Literaturkenntnis), zum anderen den Text „üben“ (Lesekompetenz)
  • Methodenkompetenzgewinn durch Arten des Vorlesens (verteilte Rollen, Lesen mit Gesten, „interaktives“ Vorlesen, …) und Arten, mit den Kindern umzugehen und auf sie zuzugehen
  • Aspekt des jahrgangsübergreifenden Lernens: Vorbildfunktion
  • Ansporn für „schwache“ Vorleser, zu üben, um sich an dem Vorlesen beteiligen zu können
  • Sprachkompetenzerweiterung durch Eingehen auf das Sprachniveau der jüngeren Kinder

Nutzen für die Lehrkräfte und Erzieher

  • Besseres Kennenlernen der jeweiligen Einrichtung, Durchlässigkeit der Systeme
  • Kontakt zwischen Erzieherinnen und Lehrpersonen
  • Kontakt zu den neuen Kindern bei den Lehrkräften, Kontakt zu ehemaligen Kindern bei Erziehern
  • Steigende Sicherheit in der Lesekompetenz bei den Schulkindern
  • Steigende „Zuhörkompetenz“ bei den Vorschulkindern
  • Auffälligkeiten bei Vorschulkindern können beobachtet werden und man kann frühzeitig auf sie reagieren